Friedensdenkmal enthüllt: Auf dem Kirchplatz stehen jetzt zwei Denkmäler
Mit der feierlichen Enthüllung des Friedensdenkmals ist auf unserem Kirchplatz ein neuer Ort entstanden. Ein Ort, der zum Innehalten einlädt. Ein Ort, der Fragen stellt. Und ein Ort, der dazu anregen soll, über Frieden, Erinnerung und unsere gemeinsame Verantwortung nachzudenken.
Die Einweihung am Sonntag war ein besonderer Moment. Nicht nur, weil damit ein Projekt seinen Abschluss gefunden hat, das uns über mehrere Jahre begleitet hat. Sondern auch, weil mit dem Friedensdenkmal ein sichtbares Zeichen dafür entstanden ist, welche Werte uns als Gemeinde wichtig sind. Und das mitten in unserem Ortskern.
Entstanden aus einem Bürgerantrag
Den Anstoß für das Friedensdenkmal gaben vor drei Jahren Petra Holländer und Klaus Besser mit einem Bürgerantrag. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine regten sie an, dem historischen Kriegerdenkmal ein Friedensdenkmal als Gegendenkmal gegenüberzustellen.
Der Rat der Gemeinde hat diesen Gedanken einstimmig aufgegriffen.
Es folgte ein gemeinsamer Prozess: Eine Ausstellung zu bestehenden Gegendenkmälern, ein offener künstlerischer Wettbewerb, intensive Beratungen in Jury und politischen Gremien sowie viele Gespräche über die Frage, wie ein Friedensdenkmal heute aussehen kann und welche Symbolik es tragen sollte.
Ein Gegendenkmal für das Kriegerehrenmal
Seit rund 120 Jahren prägt das Kriegerdenkmal unseren Kirchplatz. Es ist Ausdruck seiner Zeit und erinnert an die Gefallenen der Kriege des 19. Jahrhunderts – allerdings in einer heroischen Art und Weise, wie wir es heute nicht mehr errichten würden. Als historisches Denkmal bleibt es selbstverständlich erhalten.
Mit dem Friedensdenkmal kommt nun eine weitere Perspektive hinzu. Nicht, um Geschichte umzuschreiben. Sondern um sie zu ergänzen. Das Friedensdenkmal ist nicht gegen, sondern durch das Kriegerdenkmal entstanden.
Ein Projekt, das viele Menschen getragen haben
Besonders freut mich, dass dieses Denkmal nicht nur das Werk einer Künstlerin ist, sondern das Ergebnis vieler engagierter Menschen.
Mein herzlicher Dank gilt Marion Plaßmann, die den ausgewählten Entwurf entwickelt und umgesetzt hat. Ebenso danke ich allen Mitgliedern der Jury, den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, der Perus GmbH, den Spenderinnen und Spendern, den Jugendlichen, die in Workshops das Wort „Frieden“ in vielen verschiedenen Sprachen gestaltet haben, dem AWO-Checkpoint, Christiane Hoffmann von der Kunstagentur Hoffmann, Willem Schulz für die musikalische Begleitung sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Gemeindeverwaltung.
Ein besonderer Dank gilt auch Petra Holländer und Klaus Besser. Ohne ihren Bürgerantrag hätte es diesen gemeinsamen Weg nicht gegeben.
Warum ein Friedensdenkmal?
In den vergangenen Monaten wurde immer wieder gefragt, ob ein Friedensdenkmal in Zeiten knapper öffentlicher Kassen notwendig sei. Ich finde, diese Frage darf gestellt werden.
Für mich geht es dabei aber um eine grundsätzliche Überlegung: Welche Geschichte soll unser Kirchplatz erzählen? Seit mehr als einem Jahrhundert erinnert dieser Ort an Krieg. Seit Sonntag erinnert er auch an Frieden. Auch wenn wir hier in Steinhagen keine Kriege beenden können, tragen wir Verantwortung dafür, welche Werte wir sichtbar machen. Genau deshalb halte ich das Friedensdenkmal für ein wichtiges Zeichen.
Ein Ort, der zum Nachdenken einlädt
Ich wünsche mir, dass viele Menschen an diesem Denkmal stehen bleiben, miteinander ins Gespräch kommen, Fragen stellen und ihre eigenen Antworten finden. Seit 120 Jahren erzählt unser Kirchplatz vom Krieg. Seit gestern auch vom Frieden.




