Sarah Süß
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Widows and Orphans Movement: Besuch aus Ghana im Rathaus

In der vergangenen Woche durfte ich einen besonderen Gast im Steinhagener Rathaus begrüßen: Fati Abigail Abdulai, Geschäftsführerin des Widows and Orphans Movement (WOM) aus dem Norden Ghanas. Sie berichtete mir und einigen interessierten Mitgliedern unseres Bürgerkomitees für Entwicklungszusammenarbeit eindrucksvoll von ihrer Arbeit für verwitwete Frauen und ihre Kinder – und von einer Partnerschaft, die Steinhagen und Ghana inzwischen seit fast drei Jahrzehnten verbindet.

Eine Situation, die für uns kaum vorstellbar ist

Besonders bewegt hat mich, wie Fati Abigail die Lebenssituation vieler Witwen in Ghana schilderte. Mit dem Tod ihres Mannes verlieren Frauen dort teilweise nicht nur ihren Partner und Ernährer, sondern geraten auch gesellschaftlich und wirtschaftlich in eine äußerst schwierige Lage.

Traditionelle und patriarchale Strukturen führen dazu, dass Witwen ausgegrenzt, entrechtet oder sogar beschuldigt werden, für den Tod ihres Mannes verantwortlich zu sein. Teilweise müssen sie sich noch heute sogenannten „Hexen-Tests“ und entwürdigenden Ritualen unterziehen. Gleichzeitig droht ihnen der Verlust von Land, Eigentum und damit ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage. Leidtragende sind immer auch die Kinder.

Genau hier setzt das Widows and Orphans Movement an. Die Organisation stärkt die Rechte der Frauen, klärt über ihre Rechte auf und sucht zugleich den Dialog mit traditionellen Autoritäten und staatlichen Stellen. Vor allem aber schafft WOM konkrete Möglichkeiten, damit Frauen selbst für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder sorgen können.

Dazu gehören unter anderem Mikrokredite, mit denen Frauen ein eigenes kleines Geschäft aufbauen können, ebenso wie Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. In eigenen Werkstätten wird beispielsweise gewebt, Sheabutter hergestellt oder Baobab verarbeitet. Ziel ist dabei immer dasselbe: Hilfe zur Selbsthilfe und damit der Weg in ein möglichst selbstbestimmtes Leben.

Eine Verbindung, die 1997 begann

Dass Steinhagen Teil dieser Arbeit ist, hat eine lange Geschichte.

Bei einer Reise nach Ghana im Jahr 1997 suchten Joachim Schreiber und der damalige Vorsitzende des Bürgerkomitees, Dieter Halle, gezielt nach kleineren Selbsthilfeprojekten. So entstand der Kontakt zu Betty Ayagiba, einer Krankenschwester aus Bolgatanga im Norden Ghanas. Sie hatte bereits 1993 begonnen, eine Frauengruppe aufzubauen, die sich für benachteiligte Witwen und deren Kinder einsetzte.

1998 unterstützte das Steinhagener Bürgerkomitee die damalige Organisation „Widows and Orphans Ministry“ erstmals mit 750 D-Mark für Ackergeräte.

Aus dieser ersten kleinen Unterstützung entwickelte sich eine langjährige Partnerschaft. Das Bürgerkomitee half unter anderem bei der Ausbildung von Schneiderinnen, finanzierte Gerätschaften und Saatgut und unterstützte den Bau einfacher Häuser für Witwen und ihre Kinder.

Seit 2013 wird die Organisation von Fati Abigail Abdulai, der Tochter von Betty Ayagiba, geleitet und trägt heute den Namen Widows and Orphans Movement (WOM). Unter ihrer Leitung hat sich die Arbeit weiter professionalisiert und international vernetzt. WOM gehört inzwischen zu den bedeutenden Selbsthilfeorganisationen im Norden Ghanas.

Rund 75.000 Euro aus Steinhagen

Über die Jahre sind durch das Engagement des Bürgerkomitees und vieler Spenderinnen und Spender aus Steinhagen insgesamt rund 75.000 Euro zusammengekommen.

Dabei ging und geht es ausdrücklich nicht darum, dauerhaft Strukturen zu finanzieren. Die Mittel aus Steinhagen dienen als gezielte Anschubfinanzierungen für konkrete Projekte und werden durch Eigenleistungen vor Ort ergänzt. Personalkosten werden nicht übernommen.

Ein großer Vorteil dieser Zusammenarbeit ist der persönliche Kontakt. Joachim Schreiber begleitet das Projekt für das Bürgerkomitee bereits seit den Anfängen. Dadurch kann gemeinsam mit WOM sehr konkret geschaut werden, wo Unterstützung gerade am dringendsten benötigt wird. Gleichzeitig wird die Verwendung der zweckgebundenen Spendengelder zuverlässig nachgewiesen.

Eine Partnerschaft, die ganz konkret etwas verändert

Der Besuch von Fati Abigail hat noch einmal deutlich gemacht, welchen Unterschied Entwicklungszusammenarbeit auch mit vergleichsweise kleinen Beträgen machen kann, wenn sie langfristig, verlässlich und auf Augenhöhe angelegt ist.

Aus 750 D-Mark für Ackergeräte ist eine Partnerschaft entstanden, die seit fast 30 Jahren besteht und ganz konkret dazu beiträgt, Frauen wirtschaftliche Unabhängigkeit zu ermöglichen, ihre Rechte zu stärken und ihren Kindern neue Perspektiven zu eröffnen.

Mein großer Dank gilt Fati Abigail Abdulai für ihren beeindruckenden Einsatz, Joachim Schreiber und allen Engagierten im Steinhagener Bürgerkomitee für die jahrzehntelange Begleitung sowie allen Spenderinnen und Spendern, die diese Arbeit ermöglichen.

Für mich war der Besuch vor allem eines: eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass Hilfe zur Selbsthilfe keine abstrakte Idee ist. Sie kann ganz konkret bedeuten, dass Leben der Mensche vor Ort direkt zu verbessern, in diesem Fall dafür sorgen, dass eine Frau ein eigenes Einkommen erzielt, ihre Kinder versorgen kann und die Chance bekommt, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.

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